Sachsens Nachwuchs überzeugt bei der U18-EM in Rieti

Sachsens Nachwuchs überzeugt bei der U18-EM in Rieti

„Über allem steht der Sieger der Herzen: Ole Steinbach vom Dresdner SC 1898.“ Mit diesen Worten fasste der Leitende Landestrainer des Leichtathletik-Verbandes Sachsen, Sven Vesmanis, nach Rücksprache mit den Heimtrainern die Auftritte der sächsischen Athletinnen und Athleten bei den U18-Europameisterschaften im italienischen Rieti zusammen. Von den sechs vom Deutschen Leichtathletik-Verband nominierten Nachwuchstalenten aus Sachsen gingen fünf bei den Titelkämpfen an den Start. Vier von ihnen erreichten das angestrebte Finale und präsentierten sich auf internationaler Bühne in hervorragender Form.

Nicht ganz nach Wunsch verlief der Wettbewerb für Speerwerferin Lena Sachse vom LV 90 Ehrenfriedersdorf. Die von Christoph Müller trainierte Athletin belegte in der Qualifikation Rang 13 und verpasste den Finaleinzug denkbar knapp um einen Platz. Nach ihren starken Leistungen im bisherigen Saisonverlauf wäre der Sprung in die Top 12 durchaus möglich gewesen.

Für ein starkes Ergebnis sorgte Pauline Schubert vom LV 90 Erzgebirge. Die erst 16-jährige Schützling von Christian Sperling zeigte im Kugelstoßen große Nervenstärke. Nach einem soliden Einstieg mit 15,32 Metern musste sie im dritten Versuch nachlegen, um den Endkampf zu erreichen. Unter Druck gelang ihr genau das: Mit 16,57 Metern erzielte sie die zweitbeste Weite ihrer bisherigen Karriere und belegte einen hervorragenden fünften Platz.

Nur knapp an einer Medaille vorbei schrammte Lance Listner vom LAC Erdgas Chemnitz. Der von Christian Sperling betreute Diskuswerfer lag lange auf Medaillenkurs und durfte bis in die Schlussphase hinein vom Podest träumen. Am Ende blieb Rang vier – ein Ergebnis, das zwar zunächst enttäuschen mag, bei Europameisterschaften jedoch als herausragender Erfolg einzustufen ist.

Auch Luca Koch vom LAC Erdgas Chemnitz konnte seine Ziele erreichen. Der von Thomas Burger trainierte Hürdensprinter wollte die Marke von 13,50 Sekunden unterbieten und das Finale erreichen. Beides gelang ihm. Im Halbfinale blieb er unter der angestrebten Zeit und qualifizierte sich souverän für den Endlauf. Dort fand er nicht ganz zu seinem Rhythmus aus der Vorschlussrunde und belegte mit 13,70 Sekunden einen respektablen siebten Platz.

Für die bewegendste Geschichte aus sächsischer Sicht sorgte jedoch Ole Steinbach vom Dresdner SC 1898. Der von Erik Haß trainierte 800-Meter-Läufer hatte sich die Finalteilnahme zum Ziel gesetzt und setze sich in der Vorrunde souverän druch. Im Finale sorgte der 16-Jährige mit pink gefärbten Haaren – Ergebnis einer Wette mit einem Trainingspartner – bereits optisch für Aufmerksamkeit. Noch beeindruckender war jedoch sein Rennen: Mutig, entschlossen und taktisch klug setzte er sich auf den letzten Metern durch und überquerte die Ziellinie in 1:49,44 Minuten als Erster.

Die Freude über den scheinbaren Europameistertitel hielt jedoch nicht lange an. Nach Ansicht des Schiedsgerichts hatte er im Gedränge einen regelwidrigen Ellbogeneinsatz gegen den Briten Riddell gezeigt und wurde disqualifiziert. Trotz der Aberkennung des Sieges schmälert dies die sportliche Leistung des Dresdners kaum. Für viele Beobachter, Trainer und Fans bleibt er deshalb der „Sieger der Herzen“ dieser Europameisterschaften.

Mit vier Finalplatzierungen und zahlreichen persönlichen Erfolgserlebnissen haben die sächsischen Nachwuchsathletinnen und -athleten in Rieti ein starkes Ausrufezeichen gesetzt. Gleichzeitig unterstreichen die Ergebnisse die hervorragende Arbeit der Heimtrainer und Vereine, die die Talente über Jahre hinweg auf ihrem Weg an die europäische Spitze begleitet haben.

Jörg Fernbach/Sven Vesmanis

Fotos: Team Rieti mit Christian Sperling (Jan Papaenfuss / DLV) + Ole Steinbach zur DM 2026 (Iris Hensel)