Andreas Roscher wurde nur 74 Jahre alt-60 Jahre Leben für den Sport

Die Abteilung Fichtelberglauf/Leichtathletik des SV Neudorf trauert um Andreas Roscher

Neudorf. Mit großem Bedauern und in tiefer Trauer müssen wir das Ableben von Andreas Roscher bekanntgeben - nicht nur für uns Mitglieder des SV Neudorf ein Schock. Am 7. Juli hörte das Herz des 74-jährigen Neudorfers auf zu schlagen. Roscher, der mehr als 60 Jahre für den Sport lebte, hinterlässt Frau, zwei Kinder und Schwiegerkinder sowie zwei Enkeltöchter. Und er hinterlässt ein sportliches Erbe, welches er dem oberen Erzgebirge. vermacht hat. Denn Andreas Roscher – von vielen nur „Anderle“ genannt – ist Gründervater des Neudorfer Fichtelberglaufs.
Zum 1. Januar 1962, als Elfjähriger, trat Andreas Roscher der damaligen BSG Motor, dem heutigen Sportverein Neudorf bei, spielte bis 1983 aktiv Fußball sowie bis zuletzt Tischtennis. Ebenso entdeckte er den Ausdauersport für sich. Er bestritt Wettkämpfe als Läufer und auf Skiern, darunter mehrfach am Rennsteig und auch einmal den Wasalauf. Er gründete die Abteilung „Freizeit- und Erholungssport“, welche später unter das Dach des Leichtathletik-Verbandes gestellt wurde, und fungierte bis Ende der 2010er-Jahre als Abteilungsleiter.
Im Dezember 2023 wurde Andreas Roscher mit der Ehrenplakette des Landessportbunds Sachsen prämiert - der höchsten Auszeichnung, die ein Ehrenamtler im Sport erreichen kann. Auch in der örtlichen evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde engagierte sich Andreas Roscher viele Jahre im Kirchenvorstand.
Vor allem die langen Strecken hatten es Roscher angetan. 13 Teilnahmen am 70-km-Ultra des Rennsteiglaufs sowie drei Starts beim Swiss Alpine Run weist die Statistik der Ultra-Marathon-Vereinigung auf. Nach der Wiedervereinigung leitete der Neudorf eine kleine Trainingsgruppe. Zahlreiche Freundschaften zu anderen Laufsportlern - unter anderem nach Fulda und nach Hamburg - entstanden. 
Von 1977 bis 1987 organisierte Andreas Roscher regelmäßig Stundenläufe mit Musik auf dem Neudorfer Sportplatz. „Die Teilnehmerzahlen nahmen teilweise überhand. Zudem sahen die Läufer bei Regen durch die rote Hartplatzerde aus wie Schwein“, äußerte er einst. Der Fichtelberglauf war geboren. Dieser sollte am 24. Oktober 1987 seine Premiere erleben. 80 Laufsportler, 76 Herren und 4 Damen, beteiligten sich an der „Eroberung“ des höchsten Berges der ehemaligen DDR. 35 weitere Auflagen sollten folgen. Lediglich in den Corona-Jahren 2020 und 2021 musste der anspruchsvolle Berglauf über 9,1 Kilometer und 550 Höhenmeter, der in der Spitze bis zu 300 Starter anlockte, abgesagt werden. Der Einzige, der bislang jede Auflage bestritten hat, ist Werner Fankhänel aus dem vogtländischen Auerbach. Der 84-Jährige von der LG Vogtland will nun aber altersbedingt kürzertreten. „Der Tod von Andreas macht tief betroffen. Dabei ist die familiäre Atmosphäre, die beim Fichtelberglauf vorherrscht, sein Verdienst“, so der Auerbacher, der ebenso wie ein großer Teil der Helferschaft seit 1987 zur Stange hiellt.
So brachte Andreas Roscher, der unter anderem als Elektriker und später für die Huss-Räucherkerzenherstellung tätig war, seine bei Wettkämpfen gemachten Erfahrungen in die Organisation mit ein. Dabei legte er Wert auf das Gesamtpaket und einen gewissen „Wohlfühlfaktor“ für die Sportler. „Das geht los mit der Anmeldung, dem Gepäcktransport, dem Reichen von Tee und Decken am Ziel bis hin zu einer richtigen Siegerehrung“, so Roscher, der sich auch einiger kleiner Hilfsmittel bediente. Zu den Besonderheiten der Veranstaltung, welche den ersten Samstag im Oktober als festen Termin hat, gehört nicht nur die Ehrung von Mehrfach-Teilnahmen. Auch die Reihenfolge bei der Prämierung der Altersklassen wird ausgelost. „Um auch den Älteren Respekt zu zollen“, sagte Andreas Roscher einmal, im Wissen darum, dass der Fichtelberglauf den Teilnehmern durchaus einiges abverlangt. Roscher: „Nebel, Sturm, Starkregen oder Schnee hat es alles schon gegeben.“
Am 18. Juli 2025 wurde Andreas Roscher auf dem Friedhof in Neudorf beigesetzt. Bei der 37. Auflage des Neudorfer Fichtelberglaufs am 4. Oktober wollen die Mitglieder des SV Neudorf mit einer Schweigeminute an Andreas Roscher erinnern.
Thomas Kaufmann
im Namen der Abteilung Fichtelberglauf/Leichtathletik des SV Neudorf
Foto Thomas Kaufmann